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Es gilt als anstössig, in einer Buchkritik einen (anderen) Literaturkritiker zu zitieren. Dennoch möchte ich den (ich gebe es zu) von mir bewunderten Buch-TV-Entertainer Denis Scheck in seinem Plädoyer für die lohnende Lektüre des Romans  "Unterleuten" von Juli Zeh zitieren: "Genauso sieht sie aus: Die Wahrheit großer Literatur." Er bezieht sich mit der Bemerkung auf ein Zitat aus dem Roman: "Es gibt keine Wahrheit, es gibt nur Perspektiven." In der Tat öffnet dieses literarische Panorama einer brandenburgischen Dorfsoziologie Einblicke in viele, speziell von der deutschen Geschichte ge...

Doris Knechts scharfer Verstand seziert nicht nur in ihren kurzweilig pointierten Zeitungs-Kolumnen unser aller widersprüchlichen Mittelstands-Alltag zwischen Moral und Medien, Eigennutz und Eigenbild, Treiben und Taten. Angesichts ihres neuen Romans "Wald" waren ihre vorherigen Romane "Gruber geht" und "Besser", viel gelobt, verfilmt und offenbar gern gelesen, nur Schreibübungen. "Wald": ein Schlag mit dem Anti-Weinerlichkeits-Hammer in die Magengrube der Wohlfühlgesellschaft. Es ist die Geschichte des ökonomischen und gesellschaftlichen Absturzes der einst erfolgreichen Modedesignerin...

Daniela Krien war eine Entdeckung. Ihr 2011 erschienener Debüt- Roman spielt 1990 auf dem Land, in einem Dorf nahe der einstigen deutsch-deutschen Grenze. Es ist ein Dorf scheinbarer Idylle, trügerischer Ruhe, ein Dorf, in dem eine jäh aufflammende Liebesgeschichte zwischen einer 17jährigen und einem wesentlich älteren Einsiedler-Bauern nicht vorkommt und wenn doch, auch nicht geduldet wird. Daniela Krien meißelt Sätze wie Skulpturen, um die Stille, hinter der es brodelt, in sachlich-distanziertem Ton zu erzählen. Bis auf einen Band mit Erzählungen (Muldental, Graf Verlag 2014) haben wi...

 

William Boyd liebt die als Wirklichkeit getarnte Fiktion, man könnte es als sein Markenzeichen bezeichnen, gefälschte Biografien als echt erscheinen zu lassen. Noch dazu reißt er die Leser/innen im Trend-Genre Memoir mit einer Ich-Erzählung im Rückblick auf das bewegte, unangepasste Leben seiner Heldin mit. In dieser Kunst erweist Boyd sich als ein meisterhafter Regisseur, Formulierungskünstler, Geschichtenerzähler, der eine Abfolge von epochenprägend

en Ereignissen, Stimmungen und Sensationen des vergangenen Jahrhunderts auferstehen lässt. In seinem dickleibigen Roman "Die Fotografin"...

Annegret Held las und erzählte gestern Abend im leider nicht gut besuchten Saal der Landesbibliothek Wiesbaden aus ihrem Westerwald-Roman "Armut ist ein brennend Hemd". Schade, eine verpasste Gelegenheit. In der Villa Clementine, dem Literaturhaus mit Gastronomie, wären sicher viel, viel mehr Leserinnen und Leser gekommen. Frisch und nicht ohne Komik berichtete uns die Autorin über ihre ausgedehnte Archivarbeit und Dokumentensuche. Wie aufregend sich diese Recherchen gestalten können, wenn man plötzlich über Ancestry- oder Family-Tree-Suchen Verwandte in Australien entdeckt, demonstrier...

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