Annegret Held und die hessischen Hurdy-Gurdy-Girls

 

Annegret Held las und erzählte gestern Abend im leider nicht gut besuchten Saal der Landesbibliothek Wiesbaden aus ihrem Westerwald-Roman "Armut ist ein brennend Hemd". Schade, eine verpasste Gelegenheit. In der Villa Clementine, dem Literaturhaus mit Gastronomie, wären sicher viel, viel mehr Leserinnen und Leser gekommen. Frisch und nicht ohne Komik berichtete uns die Autorin über ihre ausgedehnte Archivarbeit und Dokumentensuche. Wie aufregend sich diese Recherchen gestalten können, wenn man plötzlich über Ancestry- oder Family-Tree-Suchen Verwandte in Australien entdeckt, demonstrierte die sympathische Schriftstellerin, indem sie uns alte Schwarz-Weiß-Aufnahmen der Jahrhundertwende 1900 zeigte, teils aus Whitechapel in London, wo Tausende hessischer Armutsflüchtlinge aus dem Westerwald, der Wetterau und dem Vogelsberg, unter aus heutiger Sicht entsetzlichen Bedingungen hausten. Ich bin froh, dass ich die Veranstaltung der Buchhandlung Vaternahm besucht habe. Was ich mir vorgenommen habe: Das Museum der Stadt Butzbach im Solms-Braunfelser Hof mit einer volkskundlichen Abteilung über die hessischen Hurdy-Gurdy-Mädchen zu besuchen!  Danke, Annergret Held, für diesen Tipp! Annegret Held: Armut ist ein brennend Hemd. Eichborn Verlag 2015. 367 Seiten. 22 Euro.

 

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