Kaum auszuhalten ist die Intensität, mit der Ulla-Lena Lundberg vom Glück, Elend und Alltag des Familienlebens eines Pfarrers, seiner Frau und kleinen Tochter erzählt, die in den 1940er Jahren in der rauen Abgeschiedenheit der Åland-Inseln leben und für ihren Lebensunterhalt auch eine Landwirtschaft betreiben müssen, eine schwere Aufgabe, die der Pfarrfrau zufällt. Zu dem Archipel, der zu Finnland gehört, wo aber Schwedisch gesprochen wird und die Einwohner sich autonom verwalten, gehören mehrere Tausend Inselchen. Die Geschichte hat einen autobiografischen Hintergrund, denn Ulla-Lena Lundberg selbst stammt von der Insel Kökar, und ihr Vater war Pfarrer. Eine der erschütterndsten Szenen des Buches ist die Schilderung des Todeskampfes eines ins Eis eingebrochenen Mannes aus dessen eigener Perspektive. Wie er die Todesgefahr zunächst gar nicht erkennt, weil das Pflichtbewusstsein, sein Fahrrad und vor allem die darauf verwahrten Dokumente vom Grund zu retten, stärker ist als seine Selbstsorgen. Und wie ihm mit aufsteigender Kälte die Erkenntnis dämmert, dass die Lage ernst, todernst ist, ein Entrinnen aussichtlos, eine Rettung nicht möglich ist. Ulla-Lena Lundberg: Eis. Roman. mare Verlag 2014. 24 Euro

 

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